Restaurant der Woche: Helvetia
Unsere Tester erlebten im St. Galler Restaurant «Helvetia» schillernde, kulinarische Vielfalt.
Das «Helvetia» liegt etwas ausserhalb des Stadtkerns in einem Jahrhundertwende-Quartier. In dieser ruhigen Gegend neben der Grünfläche der Kreuzbleiche hat sich ein stimmungsvoller Altbau mit viel Retro-Charme erhalten. Hier haben sich schon früher ambitionierte Köche wie der Tausendsassa Beat Blum wohlgefühlt. Seit ein paar Jahren steht Adrian Nessensohn mithilfe seiner Frau Svenja Bellmann in der Verantwortung.
Bei ihm sind Lokales, Saisonales und Marktfrisches Trumpf. Er pflegt ein Sharing-Konzept, das dem Gast über den Abend verteilt eine schillernde Vielfalt von Tellern beschert. Sein Stil lässt sich nicht leicht über einen Leisten schlagen. Einerseits gibt es bei ihm schlichte, naturnahe und fleischfreie Gerichte wie die Sauerkrautsuppe mit Rosenkohlblättern, Püree von der roten Zwiebel und Chips von der violetten Kartoffel oder Linsen mit konfierten Ochsenherztomaten, eingelegtem Stangensellerie und frittierten Taglierini.
Andererseits pflegt Nessensohn die Fleischgerichte mit besonderer Sorgfalt; das Geschmorte zieht er in der Regel den sogenannten Edelstücken vor. Hervorragend mit seiner tiefen, an Wild erinnernden Aromatik ist die geschmorte Lammhaxe samt kurz gebratenem Lammgigot, Goldrandenpüree und glasierten Randen – das gehört mit zum besten Fleisch, das wir im letzten Jahr gegessen haben. Der ebenfalls sehr lange sous-vide geschmorte Rindsschulterspitz bewegt sich auf der gleichen Höhe.
Ausgesprochen gut geraten dank des Know-hows von Ehefrau Svenja die Desserts, besonders der Akkord aus Aprikose, Sauerrahm, Puffgetreide und Honig-Crunch. Die Weinkarte ist nicht ausufernd, gefällt aber mit ihrem Fokus auf Flaschen des näheren Umkreises.
INFO
Restaurant Helvetia
Vonwilstrasse 39
9000 St. Gallen
T: +41 71 2772127
helvetia-sg.ch