Zum Inhalt springen
© Shutterstock

Schweiz vs. Österreich: Wer trinkt was beim Wandern?

Schweiz
Genusswandern
Getränke
Sommer

Weizenbier oder Kindheitserinnerung? Auf diese Getränke schwören Wanderfreundinnen und Wanderfreunde.

Nach einer schweisstreibenden Wanderung gibt es kaum etwas Besseres als ein erfrischendes Getränk. Rund 58 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer wandern regelmässig – und spätestens nach dem letzten Höhenmeter zieht es viele direkt in die Beiz. Nicht nur wegen des Wurst-Käse-Salats, Älplermagronen oder Rösti, sondern vor allem wegen eines ganz bestimmten Gefühls: dem ersten Schluck. Die Schweiz hat ihre ganz eigene Palette an flüssigen Wanderklassikern, von Rivella über Apfelschorle bis zum Panaché.

Anders in Österreich: Dort steht am Ende der Wanderung meist ein grosses Weizenbier auf dem Tisch – goldgelb, schäumend, ehrwürdig. Es gehört zur Almentradition wie der Kaiserschmarrn oder der Germknödel. Auch hier geht es nicht nur um den Durst, sondern um das Gefühl: Belohnung, Geselligkeit und ein Schluck Landschaft im Glas.

Rivella vs. Almdudler

Selbst wer im Alltag eher zur Cola greift, bestellt auf 2.000 Metern plötzlich das leicht herbe Getränk auf Basis von Milchserum. Vielleicht liegt es an der Höhenluft, vielleicht an der tief verankerten Erinnerung an Schulreisen. Fakt ist: 95 Prozent der Bevölkerung kennen Rivella und pro Stunde werden rund 25.000 Flaschen produziert. Die Marke aus dem Jahr 1952 hat sich als die Nummer 2 im Schweizer Erfrischungsgetränkemarkt etabliert – und das nicht ohne Grund: Rivella löscht den Durst, vor allem auf dem Berg.

In Österreich ist das Pendant zum typischen Berggetränk oft Almdudler. Die Kräuterlimonade gilt als Klassiker, der bei keiner Hüttenkarte fehlt. Sie wird sowohl pur als auch in Kombination mit Mineralwasser oder Bier getrunken und steht für ein ähnliches Gefühl von Kindheitserinnerung und alpiner Frische wie Rivella in der Schweiz.

Foto beigestellt

Shorley vs. Apfelsaft gespritzt

Wer nach dem Gipfel lieber fruchtig unterwegs ist, bestellt Shorley. Die Apfelschorle aus 60 Prozent Apfelsaft und 40 Prozent Passugger Mineralwasser ist nicht nur vegan und glutenfrei, sondern auch eine Erfrischung mit Fitness-Appeal. Denn: Der Fruchtzucker liefert schnelle Energie – nicht nur für den Rückweg, sondern auch für ambitionierte Hüttenspiele. Besonders gefragt an heissen Tagen: »Shorley Fresh«, die kalorienärmere Variante.

Während in der Schweiz Shorley fast schon Kultstatus genießt, greift man in Österreich nach einer Wanderung oft zum klassischen »Apfelsaft gespritzt«. Die Mischung aus Apfelsaft und Mineralwasser ist ähnlich erfrischend, allerdings weniger als Marke bekannt, sondern eher als generische Bestellung – »ein großer Apfelsaft gespritzt, bitte«. Auch hier schätzen Wandernde den Fruchtzucker als Energielieferant, und an heißen Tagen ist die leicht säuerliche, spritzige Note eine willkommene Abkühlung.

Möhl vs. Most

Apfelsaft, der erwachsen geworden ist, für Kinder, die erwachsen geworden sind. Auf vielen Bergwirtschaften gehört er einfach dazu: der »Saft vom Fass«. Gemeint ist natürlich der Apfelwein von Möhl, einer der traditionsreichsten Mostereien der Schweiz. Mit einem Alkoholgehalt zwischen 6 und 7 Prozent, vergoren mit hauseigener Hefe und gereift in Schweizer Eichenholzfässern, ist der Most ein echtes Stück Heimat im Becher – oft serviert im ikonischen, dickwandigen Möhlglas. Frisch, fruchtig, mit einem Hauch Säure und einer Portion »Pfupf«.

Was in der Schweiz Möhl heisst, wird in Österreich schlicht »Most« genannt. Vor allem in Niederösterreich, Oberösterreich oder der Steiermark hat Most – aus Äpfeln oder Birnen gekeltert – eine lange Tradition. Er wird oft halbtrocken serviert und kann von mild und fruchtig bis herb und kräftig variieren. Auf Almen ist Most eher seltener anzutreffen als in den flacheren Mostregionen, doch wo er ausgeschenkt wird, gehört er für viele zur typischen Einkehr genauso dazu wie eine Brettljause.

© Mosterei Möhl AG

Für beide: Panaché alias Radler

Nach einem anstrengenden Aufstieg ist der Durst gross – aber oft nicht gross genug für ein ganzes Bier. Deshalb bestellen viele Schweizer:innen ein Panaché, Österreicher:innen ein Radler: die helle Mischung aus Lagerbier und Zitronenlimonade ist erfrischend, leicht alkoholisch und wunderbar spritzig und somit die perfekte Lösung für alle, die Lust auf ein Bier haben, aber nicht gleich ins Hüttenkoma fallen möchten. Je nach Region gibt es auch Varianten mit Mineralwasser (»saures Panaché«) oder Kräuterlimonade. In Österreich heisst das »Almradler«.

Typisch deutsch?

Wer den vollen Biergenuss sucht – samt Hefe und Volumen – greift zum Weizenbier. Das obergärige Bier hat seinen Ursprung in Bayern, wo es als »Weissbier« bekannt ist, weil es im Vergleich zu üblichen dunklen Gerstenbier hell erscheint. Hergestellt mit einem hohen Anteil an Weizenmalz und typischerweise unfiltriert serviert, punktet es mit fruchtigen Noten, leichter Säure und einer fast cremigen Textur. Weizenbier ist die Belohnung für alle, die den Gipfel erreicht haben – und danach noch ein bisschen sitzen bleiben wollen.

© Shutterstock (Symbolbild)
Linda Carstensen
Linda Carstensen
Portalmanagerin Schweiz und Autorin
Kristina Mitrovic
Kristina Mitrovic
Autor
Mehr zum Thema
1 / 12