Weingut Kastanienbaum zeigt sich in neuem Gewand
Nach dem vollzogenen Generationenwechsel vor drei Jahren und dem bereits angekündigten Namenswechsel realisiert das Weingut Kastanienbaum am 7. Dezember den letzten Schritt seiner Neuausrichtung. Bis zum vergangenen Sommer noch unter dem Namen Weinbau Ottiger bekannt, präsentieren die beiden Nachwuchswinzer Kevin Studer und Denis Koch ihr Weingut nun in einem komplett neuen Gewand.
Seit über 40 Jahren wird auf der Horwer Halbinsel Wein angebaut. 1981 gründete Toni Ottiger im Alter von 26 Jahren den Betrieb auf einer Hektare Land. Über die Jahre wuchs das Weingut auf sieben Hektar und wurde eine feste Grösse im Zentralschweizer Weinbau. Ottiger, «ein Pionier des Weinbaus», machte sein Weingut zu einem beliebten Ausbildungsort. Auch Kevin Studer und Denis Koch haben hier ihre Wurzeln: Beide absolvierten bei Ottiger ihre Lehre. Studer zog es nach seinem Abschluss in die Ferne, wo er Erfahrungen auf verschiedenen Weingütern in Deutschland, Neuseeland, Südafrika und Österreich sammelte. Koch entschied sich nach einer Gärtnerlehre für eine zweite Ausbildung beim Weinbau Ottiger und blieb dem Betrieb bis heute treu. Studer blieb über die Jahre stets mit Ottiger in Kontakt und so kam eines Tages die Frage, ob Studer den Betrieb übernehmen möchte. Für Studer war die Antwort klar – ja, aber nicht allein – so kam Koch ins Spiel.
Namenswechsel aufgrund eigener Identifikation
Rund drei Jahre lang betrieben Studer und Koch das Weingut unter dem Namen des ehemaligen Patrons. Nach dem Studer und Koch bereits vieles auf dem Weingut angepasst haben, ist nun auch Zeit für einen neuen Namen und einen frischen Auftritt. «Die persönliche Verbindung zum Namen ‹Weinbau Ottiger› war für uns nicht mehr vorhanden», erklären Studer und Koch. Auf die Frage, warum der Wechsel erst jetzt vollzogen wurde, antwortet Studer: «Der richtige Zeitpunkt ist immer schwierig. Nach der Betriebsübernahme wollten wir unseren Kundinnen und Kunden zunächst das Vertrauen in uns und unsere Wein-Kreationen vermitteln. Ausserdem war die mediale Aufmerksamkeit zu diesem Zeitpunkt sehr hoch und diese Chance wollten wir nutzen.»
Neuer Auftritt brachte Herausforderungen mit sich
Dieser Prozess war mit Herausforderungen verbunden: Ein Fehler bei der Etikettenproduktion führte zu Verzögerungen und eine neue Druckplatte musste kurzfristig angefertigt werden. «Das erfordert viel Flexibilität», sagt Studer. Ursprünglich sollte der neue Auftritt Ende August abgeschlossen sein, damit sich Studer und Koch auf die Ernte konzentrieren konnten. Die Entscheidung, in das Rebranding zu investieren, fiel bewusst. Daher wurde nicht an Materialien gespart, und die Wahl fiel auf einen hochwertigen Prägungsdruck. Ein weiteres Highlight: die Rückkehr zu Korkverschlüssen für alle Premium-Weine. Die önologischen Vorteile und der emotionale Aspekt führten kurz nach der Übernahme zu diesem Entscheid.
Neuer Auftritt widerspiegelt einmaliges Terroir
Der neue Name «Weingut Kastanienbaum» spiegelt die Einzigartigkeit des Terroirs wider. Die Horwer Halbinsel bietet mit ihrem voralpinen Mikroklima, ihren nährstoffarmen Kies- und Lehmböden sowie der Lage am Vierwaldstättersee ideale Bedingungen für den Weinbau. Diesen einzigartigen Charakter wollen die Winzer auch in ihren Weinen spürbar machen. Seit der Übernahme verfolgen Studer und Koch verstärkt die Philosophie des natürlichen und schlichten Ausbaus. Dazu setzen sie vermehrt auf innovative Methoden wie den Einsatz von Beton, Keramik und grossen Holzfässern. Besonders angetan zeigt sich Studer von Tonamphoren: «Damit können wir den Charakter der Weine noch stärker betonen», sagt er überzeugt.
Von der zweiten Gärung bis zur Lagerung im eigenen Betrieb
Eine echte Neuheit ist der Schaumwein «Vin Mousseux Brut Nature», den es in dieser Form noch nie gegeben hat. Besonders bei der Herstellung dieses Schaumweins setzen die beiden Winzer neue Akzente, indem sie den gesamten Prozess – von der zweiten Gärung bis zur Lagerung – erstmals vollständig im eigenen Betrieb durchführen. Dadurch soll die Wertigkeit des Produkts weiter gesteigert werden. Die beiden Jungwinzer haben eine klare Vision davon, wie ihre Weine ausgebaut werden und welchen Charakter sie am Ende entfalten sollen. Während Studer sich vor allem um den Ausbau der Weine im Keller kümmert, ist Koch überwiegend in den Weinbergen zu finden. Entscheidungen treffen sie jedoch stets gemeinsam und verfolgen dieselbe Philosophie: «Am Ende soll Wein, Wein sein – ohne etwas Künstliches zu erzwingen», resümiert Koch.