Bachls Restaurant der Woche: Die Feinkosterei
Ausgerollt wurde die Idee des Cateringunternehmens Schwarz Hirsch 2018 am Judenplatz. Nun entstand viel größer auf zwei Ebenen ein aufwendig gestyltes Lokal mit Donnerbrunnen-Blick.
Nur reifere Jahrgänge dürften sich noch an die Delikatessenhandlung Gebrüder Wild erinnern – eine Institution, wo man von Herren in weißen Mänteln Köstlichkeiten ausgehändigt bekam. Später versuchte sich dort »Culinarium Österreich«. Dann ewige Baustelle. Und nun: »Die Feinkosterei« Nummer zwei.
Ausgerollt wurde die Idee des Cateringunternehmens Schwarz Hirsch 2018 am Judenplatz. Nun entstand viel größer auf zwei Ebenen ein aufwendig gestyltes Lokal mit Donnerbrunnen-Blick. Unten gibt’s Brötchen in Stilrichtung »Schwarzes Kameel«, oben das eigentliche Konzept mit »österreichischen Tapas« – sprich: heimische Klassiker im cateringähnlichen Kleinformat. Erfreulich: der »Wildshutteller« mit Hirschrauchschinken aus Eigenproduktion auf Joseph-Brot, dazu ein vorzügliches »Wildshut Sortenspiel«Biobier. Schön und gut: »feine EntenleberSanddornterrine« mit luftigem Butterbrioche. Bei der Strohschweinsulz wurde viel ins Deftige drumherum investiert – Bratapfelcreme, Grammelduxelles, saure Radieschen – der Hauptdarsteller kommt dagegen aromatisch blass daher und wird vom Rest erschlagen. Witzig: »Steckerlfisch« aus Lachsforelle mit Safranmayo und Kräutererdäpfeln. Mehr Gang als Tapas: saftige Spanferkelstelze auf peppigem Veltlinerkraut mit gar weichem Erdäpfelknödel. Bei den Wiener Minischnitzerln siegt ein sehr dicker Panadenpanzer gegen sehr dünnes Kalb.
Nun gibt’s hier teils witzige, teils ins feine Fach transformierte Klassiker. Gefülltes wachsweiches Ei, Karfiol, marinierte Würfel vom Saibling plus Kaviar, Kräuter und frischer Kren ergeben eine feinsinnig komponierte Vorspeise. Den Ungarischen Fischeintopf sollte man nicht für eine Suppe halten, es kommt eine schöne Tranche Zander auf pannonischem Ragout in sämig-dichter Sauce, dazu fluffige Erdäpfelbeignets. Sehr gut. Originell: ein Debreziner Würstl umhüllt von Lángos-Teig mit Kräutermayo. Die aufregend guten Kasnudln in brauner Butter werden in Glantschnigs Familie gekrendelt. Dazu eine freundlich gepreiste Weinkarte. Und sehr ordentlicher Negroni von der Bar im Fifties-Stil. Döbling hat ein Edelwirtshaus bekommen.
Ein schwieriges Match: Eismarillenknödel »hausgemacht« zu kopieren, wenn das Publikum über Jahrzehnte an das cremige Original des Erfinders Tichy gewöhnt ist. Erstaunlich: die Weinkarte mit reifen Raritäten, Naturweinen und ortsunüblich netter Kalkulation – Stichwort »Batonnage« 2019 unter dem Ladenpreis.
INFO
Die Feinkosterei
Neuer Markt 10–11
1010 Wien
T: +43 1 3961282
feinkosterei.wien/neuermarkt
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