Bachls Restaurant der Woche: »Otto will Meer«
In dem Otto-Wagner-Haus am Kanal findet sich neben Fisch auch noch anderes Meeresgetier auf der Speisekarte.
Schützenhaus heißt dieses am Donaukanalufer auf der Leopoldstädter Seite verloren wirkende Baujuwel. Anno 1904 von Otto Wagner inklusive Wehrkran als Staustufenhaus für eine Schleuse konzipiert, verlor es nach deren Bombardierung im Zweiten Weltkrieg seine Funktion. Lange stand das Gebäude leer, 2011 begann eine wirre Abfolge gastronomischer Nutzungen mit jeweils baldigem Ende. Großgastronom Philip Pracser hatte sich bereits mit »Liebfisch« hier versucht. Nun im zweiten Anlauf klappt die Übung, mit Flussblick Wassergetier zu servieren. Im Erdgeschoß kann man die Ware schon mal begutachten oder gleich schnell an Hochtischen verspeisen. Oben im sehr bunt gestylten Restaurant wählt man von der Tablet-Karte aus dem in weiten Teilen spanisch orientierten Angebot.
»Gambas al Ajillo«, »Boquerones fritos« oder »Croquetas Jamon« sind unter den grundsoliden Tapas eine Bank. Aufwendigere Vorspeisen wie die Dry-aged-Makrele oder mit Chorizo und Kartoffeln gefüllte Calamari machen leider immer wieder Pause auf der Karte. Ein Rundblick auf die Nachbartische zeigt: Branzino oder Steinbutt als »Catch of the Day« im Ganzen gegrillt oder in Salzkruste scheinen der Renner zu sein. Das Personal macht manche Untiefen im Ablauf mit Charme wett. Und dauert’s mal länger, kann man die Pausen allerbestens mit Fundstücken von der Weinkarte überbrücken. Viel Günstiges aus Österreich, Spanien und Portugal. Und dazwischen Posten wie »Batonnage«, »Castillo Ygay Gran Reserva Especial«, »Lodovico« und sogar »Masseto«. Wermutstropfen: Viele namhafte Champagner stehen leider wie so oft mit unergründlich überproportionalen Aufschlägen auf der Karte.
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