Berlin: »Brasserie Gendarmenmarkt« schließt nach 26 Jahren
Ein Stück französische Genusskultur verabschiedet sich vom Gendarmenmarkt. Betroffen zeigen sich nicht nur Stammgäste, sondern auch die Betreiber, die mit der Entscheidung lange gerungen haben.
Die Berliner Gastronomieszene verliert einen ihrer traditionsreichsten Betriebe: Die »Brasserie Gendarmenmarkt«, seit 1999 eine feste Größe in der Hauptstadt, wird zum Ende des Sommers 2025 endgültig schließen. Nach 26 Jahren französischer Küche und klassischer Brasserie-Atmosphäre sehen sich die Inhaber André Nissen und Rüdiger Gawlitta gezwungen, das Restaurant aufzugeben.
Die Gründe für die Schließung sind vielfältig, doch im Kern spiegeln sie die aktuelle Schieflage der gesamten Branche wider: massive Kostensteigerungen bei Energie, Personal und Waren, anhaltender Fachkräftemangel und ein immer dichter werdender bürokratischer Dschungel erschweren vielen Betrieben den Alltag – selbst etablierten Häusern wie der »Brasserie Gendarmenmarkt«.
»Was früher ein verlässliches Mittagsgeschäft war, ist heute nur noch sporadisch vorhanden«, heißt es von den Betreibern in einer Mitteilung. Grund dafür sei unter anderem der seit der Pandemie verstärkte Trend zum Homeoffice, der sich besonders auf Innenstadtlagen negativ auswirkt.
Baustellen und politische Versäumnisse
Hinzu kommen standortspezifische Belastungen: Die anhaltende Baustelle am Gendarmenmarkt beeinträchtigt seit Jahren die Erreichbarkeit des Lokals – ein weiterer Faktor, der den Betrieb zunehmend erschwerte. Auch politische Entscheidungen wurden kritisch bewertet: Die bislang ausgebliebene Rückkehr zum reduzierten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent wurde von den Inhabern als verpasste Chance gewertet. Verhandlungen über eine Anpassung der Mietkonditionen scheiterten ebenfalls.
Mit der »Brasserie Gendarmenmarkt« verliert Berlin einen Ort, der französisches Lebensgefühl mit kulinarischem Anspruch vereinte. Die Inhaber danken ihrem Team sowie den zahlreichen Stammgästen, die das Haus über die Jahrzehnte hinweg begleitet haben. »Die Entscheidung ist uns alles andere als leicht gefallen«, so Nissen und Gawlitta, »aber sie war unausweichlich.«