Das «Amia» macht aus der Zwinglistrasse ein Little Paris
Wer in Zürich nach einem Ort sucht, der gleichzeitig effortlessly cool, vibey und trotzdem tief verwurzelt in echter Gastfreundschaft ist, landet früher oder später im Amia. Genauer gesagt: Man bleibt dort hängen. Weil man will. Weil man muss. Und weil es sich anfühlt wie Little Paris mitten in Zürich. Nur mit mehr Herz und weniger Attitüde.
Der Name ist Programm: «Amia» – eine augenzwinkernde Verfremdung von «ami», dem französischen Wort für Freund. Es ist eine Hommage an die Menschen, die diesen Ort möglich gemacht haben. Gastgeber und Geschäftsführer Elias Renggli erzählt mit einem Grinsen, wie alles begann: mit Freundschaft, Wein und einer ziemlich langen gemeinsamen Geschichte im Lausanner Gastro-Universum.
Elias ist Gastronom aus Leidenschaft. Einer, der im Service als Tellerwäscher angefangen hat und heute einen Ort führt, der sich anfühlt wie ein Lieblingswohnzimmer für eine ganze Nachbarschaft. Sein Team ist handverlesen. Menschen mit intrinsischer Motivation, einer ordentlichen Portion Kreativität und vor allem Herz. Dass hier alle aufblühen dürfen, ist hör- und sichtbar. Man betritt den Raum, wird angelächelt, abgeholt und umsorgt. Casual, aber mit Stil. Genau so soll eine moderne Brasserie funktionieren.
Ein Ort, der lebt und liebt
«Neo, weil wir ein bisschen tun können, was wir wollen», sagt Chef de Service Leonardo Binswanger. Das Konzept ist französisch inspiriert, aber nicht dogmatisch. Es ist eher ein Spielplatz für das, was französische Brasseriekultur im modernen Zürich sein könnte: laut, lebendig, lustvoll und immer saisonal am Produkt orientiert. In der Küche steht jemand, der könnte, wenn er wollte, aber nicht muss.
Küchenchef Philipp Gross bringt Erfahrung aus dem «Schloss Schauenstein» und «Maison Manesse». Hochkompetent, produktverliebt, klar in seiner Handschrift. Nur Sternestreben? Nein danke. Im «Amia» geht’s darum, dass das Essen authentisch, sexy, kreativ, simpel und einfach verdammt gut ist.
Der Raum selbst trägt Geschichte. Früher war hier das Wirtshaus «Zum Goldenen Fass» Zuhause. 150 Jahre alt, mit originalem Stuck, schweren Holztischen, die für das «Amia» runtergeschliffen und neu geölt wurden. Im Sommer werden die Tische auch gerne nach draussen in den Innenhof verfrachtet. 70 Plätze unter freiem Himmel, fast wie ein versteckter Platz im Viertel Bastille.
Neo Brasserie – französisch, aber freigeistig
Wir starten mit Sauerteig-Brioche von der «Collective Bakery», warm, fluffig, mit Joghurtbutter, die man eigentlich auch pur löffeln könnte. Saisonale Pickles, Dill-Mayo, dazu eine Lauch-Zwiebel-Quiche. Wild ist gerade Saison, und im «Amia» wird ein ganzer Hirsch verarbeitet: als Carpaccio oder als geschmorter Damhirsch mit Preiselbeeren und Wild-Jus. Wir entscheiden uns für das vegetarische Pendant, Wildküche ohne Wild, dafür mit maximaler Kreativität. Das Butternusskürbis-Steak mit Sanddorn-Beurre-Blanc und Kürbis-Pickles wird gefeiert. Das Zitronengras in der Sauce verhilft dem Gericht zu neuen Höhen.
Elias kommt vorbei und empfiehlt, den Rotchabis zu bestellen. Der steht zwar nicht auf der Karte, aber wir folgen dem Rat. Glasiert im Portwein mit Red-Love-Apfel und karamellisierten Baumnüssen, dazu ein Glas Chablis… ein herrliches herbstliches Pairing. Danach ein Pilzgericht mit dreierlei Zwiebeln, dazu hausgemachte Chnöpfli mit Haselnüssen. Die klassischen Allumettes dürfen in einer Brasserie natürlich auch nicht fehlen. Hier werden sie mit herzhaftem Vacherinschaum angerichtet. Als es dann draussen auch noch anfängt zu schneien, ist die Stimmung perfekt. Und ehrlich gesagt, gar nicht schlimm, da wir das Lokal am liebsten gar nicht mehr verlassen wollen.
Amia
Zwinglistrasse 7, 8004 Zürich
restaurantamia.ch