Kollektion des Jahres 2025: Weingut Erich Meier, Zürich
Der Zürichsee-Winzer Erich Meier hat in den letzten Jahren eine tiefgreifende Transformation durchlaufen. Das spiegeln auch seine Weine wieder: Sie sind besser als jemals zuvor.
Je älter ein Winzer, desto eleganter seine Weine? Diese These wird greifbar, wenn man heute die Weine von Erich Meier kostet. Der Winzer wirkt heute gelassener als jemals zuvor und genau das spürt man auch in seinen Weinen. «Früher waren meine Weine auf der modernen, geschmeidigen Seite. Davon bin ich jetzt komplett weg», berichtet Meier.
Heute frönt er der Klassik und orientiert sich am Burgund, von dem er grosser Fan ist. Insbesondere von der Domaine Dujac, die er selbst als genial bezeichnet und sehr genau studiert. Hier hat er sich etwa zur Arbeit mit Traubenstielen während der Gärung inspirieren lassen. Eine Technik, die Weinen eine besondere Frische verleihen kann, wie man sie in Meiers Gewächsen heute findet. «Man muss die Weinwelt nicht neu erfinden, das Burgund macht seit Jahrhunderten tolle Weine», sagt Meier. «Wir Schweizer haben immer die Tendenz, Trends nachzurennen. Es geht nicht darum, zu kopieren, sondern Dinge zu transferieren. Auf unsere Region, den Zürichsee.» Das Burgund steht auch bei Meiers Lagenweinen Pate, die immer stärker in seinen Fokus treten.
Meier sucht das Besondere, das Einzigartige, ist auf der Suche nach Echtheit und dem Ausdruck seiner Umgebung, produziert einen hervorragenden Lagen-Räuschling namens Schönfels und mehrere Lagen-Pinots. Den Pinot Noir Reblaube etwa, der direkt vor dem Weingut in Uetikon in einer nach Süden ausgerichteten Kleinstparzelle gedeiht. Ein eher kühler Standort, mit karger Bodenbeschaffenheit, der einen eleganten, komplexen Pinot-Typ hervorbringt, dessen Jahrgang 2023 von der Falstaff-Jury mit satten 97 Punkten zum besten Pinot Noir des Falstaff Wine Travel Spezial 2025 gewählt wurde.
Für den Wein verwendet Meier hundert Prozent Ganztrauben, die so schonend wie nur möglich behandelt werden. Erst wenn die Gärung den Zucker auf 10 Grad Oechsle abgebaut hat, beginnt er mit dem Unterstossen. Das Eichenholz, in dem Meier seinen Spitzenwein ausbaut, stammt aus einem Wald in Uetikon selbst. Der Wein ist also ein einzigartiges Terroir-Produkt, von dem jährlich nur 300 Flaschen auf den Markt kommen.
Der Pinot Noir Reblaube 2023 ist Meiers Glanzstück in einer durch die Bank überzeugenden Kollektion, die von Müller-Thurgau, über Chardonnay bis hin zu Merlot durch hervorragende Noten bei der Degustation für diese Publikation einheimste und am Ende mit unglaublichen 94,5 Punkten im Durchschnitt bewertet wurde. Einen höheren Notendurchschnitt hatte kein anderes Schweizer Weingut in diesem Jahr, was Erich Meier den Titel «Kollektion des Jahres» einbrachte.
In diesem Zusammenhang muss aber auch erwähnt werden, dass es niemals knapper war als in diesem Jahr: Die Domaine Donatsch, die ebenfalls eine sensationelle Kollektion vorlegte, lag mit 94,41 Punkten im Schnitt, nur einen Hauch dahinter. Ein echtes Foto-Finish also, das Erich Meier am Ende für sich entschied. Fast so wie früher, als Meier als Hürdenläufer aktiv war und sogar den Vize-Schweizermeistertitel bei den Junioren holte. Feuerwehrkommandant und Mitglied der Seerettung war der Tausendsassa vom Zürichsee übrigens auch.
Als Erich Meier vor über 25 Jahren sein Weingut in Uetikon am See gründete, startete er von Null und formte es mit viel Effort zu einem florierenden Unternehmen. Die 60.000 Flaschen Wein, die er jährlich auf 6,8 Hektar Rebfläche herstellt, sind im Schnitt nach acht Monaten ausverkauft. Diesen Erfolg hat sich Meier über die Jahrzehnte erarbeitet, mit viel Effort und Akribie. Meier ist zu einem Aushängeschild der Weinregion Zürichsee geworden, den man auch schon mal in der Fernsehwerbung einer Bank erblickt.
Zudem ist er ein Mann, der genau weiss was er will. Der «seinen Weg geht», wie er betont. Deshalb möchte er auch bei allen Produktionsschritten in seinem Weingut eingebunden sein – vom Rebberg, über den Keller, bis hin zu den Büroarbeiten und dem Vertrieb. «Hand’s on», wie er selbst sagen würde. Aus genau diesem Grund möchte er sein Weingut auch nicht vergrössern, denn dann würde ihm die Zeit fehlen, das zu tun, was er wirklich will. Für die Zukunft hat er klare Pläne, vor allem auch, da er in den letzten Jahren gesundheitlich nicht immer ganz fit war. «Mein Weg ist die Richtung: eher weniger, dafür aber extremer. Das tut auch mir besser», erklärt der Winzer. Das heisst konkret, im Keller den Einfluss zu minimieren, was er in den letzten Jahren schon umgesetzt hat, und auch im Rebberg biologisch zu arbeiten.
An der Umstellung auf biologischen Weinbau arbeitet er seit 2014 und lässt sich dabei unter anderem von der Mosel-Bio-Legende Clemens Busch beraten. Dazu gehört unter anderem, die Mykorrhiza anzuregen, wie die lebensgemeinschaftliche Symbiose zwischen Pilzen und Pflanzenwurzeln genannt wird. Auf diese Weise wird die Rebe vitaler und resistenter gegen Hitze- und Wasserstress. Wie seine Reben vitaler werden, ist auch Erich Meier selbst gewachsen – zu einem Winzer, der weiss, dass die grösste Kunst darin liegt, der Natur zu vertrauen.
8707 Uetikon am See
Schweiz
Das neue Falstaff Wine Travel Schweiz Spezial
Das Wine Travel Schweiz Spezial ist Falstaffs jährlicher Guide für alle, die Schweizer Wein nicht nur trinken, sondern erleben möchten. Neben der grossen nationalen Verkostung, bei der die besten Weine des Jahres prämiert werden, widmet sich die Ausgabe ganz dem Weintourismus. Das Heft ist auch als E-Paper erhältlich.