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Im Malcantone im Südtessin gibt es einiges zu entdecken. Neben hübschen Dörfern mit Aussicht zum Beispiel einige Weinkellereien.

Im Malcantone im Südtessin gibt es einiges zu entdecken. Neben hübschen Dörfern mit Aussicht zum Beispiel einige Weinkellereien.
© Switzerland Tourism / Jan Geerk

Sonnenverwöhnt: Weinreise durchs Tessin

Tessin
Schweiz
Wein
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Das Tessin ist der einzige Kanton der Schweiz, der sich vollständig auf der Alpensüdseite befindet. Zwischen hohen Bergen und grossen Seen treffen sonnenhungrige Touristen auf Outdoor-Fans, Merlotliebhaber und Gourmets.

Das Tessin gilt als die Sonnenstube der Schweiz. Wenn es in der Deutschschweiz regnet, scheint auf der Alpensüdseite oft die Sonne. Das ist auch für die hiesigen Reben ein wahres Geschenk: Bis zu 2300 Sonnenstunden im Jahr lassen den einzigen Kanton der Schweiz, der sich vollständig auf der Alpensüdseite befindet, nicht nur botanisch, sondern auch önologisch erblühen. Palmen, Kamelien und gelegentlich Olivenbäume gehören zum Landschaftsbild – und natürlich grossflächige Rebberge.

Dass die Tessiner heute fast ausschliesslich Merlot trinken und keltern, ist das Resultat einer bewegten Geschichte. Einst dominierten einheimische Sorten den Tessiner Rebbau, doch Rebkrankheiten und die Reblaus rafften sie dahin – die einzige Überlebende ist die Bondola, die nur noch selten angebaut wird. Um einen passenden Ersatz zu finden, experimentierte der Agronom Alderige Fantuzzi Anfang des 20. Jahrhunderts mit Merlot. Damit legte er den Grundstein für den Erfolgszug der heutigen Paradetraube des Tessins. Mittlerweile gibt es den Merlot dort in allen Farben: als Rotwein, Rosé und sogar als «Bianco di Merlot» – einen frischen Weisswein, der längst als Visitenkarte der Region gilt.

Das weintouristische Angebot des Tessins ist heute ebenso vielfältig wie die Tropfen selbst. Jeweils im Mai finden die «Cantine aperte» statt. Dann öffnen viele Kellereien ihre Türen – die perfekte Gelegenheit, den vielen authentischen Produzenten des Kantons zu begegnen und ein Wochenende lang hinter die Kulissen der Keller zu blicken. Beim Gespräch mit einem Glas Wein in der Hand begreift man, wie tief der Weinbau im Tessin verwurzelt ist.

Obwohl der Merlot, der im Tessin wächst, auch zu Rosé und Weisswein verarbeitet wird, trinkt man hier vor allem Rotwein.
© Shutterstock
Obwohl der Merlot, der im Tessin wächst, auch zu Rosé und Weisswein verarbeitet wird, trinkt man hier vor allem Rotwein.

Nord-Süd-Achse

Geographisch und kulturell teilt der eigentlich eher unspektakuläre Berg Monte Ceneri den Kanton in zwei Welten. Im wildromantischen Sopraceneri in seinem Norden prägen Moränen-, Granit- und Gneisböden die Rebberge, oft in Pergola-Erziehung an steilen Hängen. Hier entstehen leichtere, frische Weine, häufig etwas rustikal, aber mit Charakter.

Diese Gegend lockt mit ursprünglicher Natur und urchiger Bodenständigkeit, man hört auch den einheimischen Tessiner Dialekt noch relativ oft. Hier können Outdoor-Fans mit Ansprüchen ganz wunderbar Wandern, Wein und Kulinarisches verbinden.

Etwa in Bellinzona, wo man samstagmorgens den Markt besucht und mit den Einheimischen Käse, Salami und Polentamehl kauft. Mittags wandert man zu einem der zahlreichen Grotti in der Umgebung – vielleicht zum schönen Grotto Mornera, das auch mit der Seilbahn erreichbar ist – und nachmittags macht man eine Weinprobe in einer der umliegenden Kellereien.

Oder man fährt nach Ascona, einem malerischen Dorf am Lago Maggiore, in dessen Umgebung man spannende Weinproduzenten besuchen und anschliessend in Sternelokalen dinieren und in Luxushotels übernachten kann.

Auch ein Zwischenstopp in Locarno lohnt sich – besonders während des Filmfestivals. Dann strahlt das hübsche Städtchen internationalen Glamour aus. Es bietet sich aber auch als Ausgangspunkt für Entdeckungstouren in die zahlreichen malerischen Täler der Umgebung an. Ob Centovalli, Maggiatal oder Valle Verzasca, sie alle verbinden atemberaubende Natur mit alten Kulturlandschaften und von historischen Rusticohäusern geprägten Dorfkernen. Überall dazwischen wachsen Trauben, die zu Wein oder Grappa verarbeitet werden.

Die mittelalterlichen Befestigungsanlagen prägen das Stadtbild von Bellinzona. Eine Besichtigung lohnt sich unter anderem für die herrlichen Aussichten.
© Switzerland Tourism
Die mittelalterlichen Befestigungsanlagen prägen das Stadtbild von Bellinzona. Eine Besichtigung lohnt sich unter anderem für die herrlichen Aussichten.

Südlicher Charme

Anders präsentiert sich das Sottoceneri: Die Landschaft im Südtessin ist weicher und mediterraner. Die perfekte Basis zum Entdecken dieser Region ist die grösste Stadt des Tessins, Lugano. Sie versprüht kosmopolitischen Charme, ist Heimat mehrerer Museen und Ort vieler Veranstaltungen. Hier finden selbst anspruchsvollste Reisende geeignete Hotels, am See oder in den Hügeln hinter der Stadt.

Der Luganersee prägt die Landschaft, in den Gärten von Palazzi wachsen Tessinerpalmen, Feigenbäume und Kamelien. Das Klima im Sottoceneri ist ausgeglichener, die Winter weniger hart als im Norden des Kantons. Hier werden kräftigere, samtige Merlots und Bordeaux-Blends gekeltert. Besonders das Mendrisiotto am südlichen Rand gilt als Hochburg renommierter Kellereien, viele davon stellen schon seit mehreren Generationen grossartige Tropfen her. Ebenfalls gibt es von Gourmettempeln bis zu rustikalen Grotti für jeden Geschmack das passende gastronomische Angebot.

In diesen Lokalen wird man schnell merken, dass der Merlot, obwohl er im Tessin noch nicht allzu lange heimisch ist, perfekt zu der regionalen Küche passt, die vom Tessinerteller mit Trockenfleisch und Käse über sämiges Risotto mit wilden Steinpilzen und cremiger Polenta mit lokalem Wildragout bis zum fangfrischen Seefisch mit saisonalem Gemüse reicht. Es gibt zu jedem einheimischen Gericht den passenden Merlot, ob prickelnder Schaumwein, frischer Bianco di Merlot, fruchtiger Rosé oder fülliger, im Holzfass ausgebauter Tropfen.

© Stefanie Hilgarth / carolineseidler.com

Erschienen in
Weinreise Schweiz inkl. Weinguide 2025

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Larissa Graf
Larissa Graf
Autorin
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