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Röstigraben erkunden: Weinreise Drei-Seen-Land

Schweiz
Wein
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Das Drei-Seen-Land ist ein kleines Paradies mit glitzernden Seen und sanften, mit Rebbergen bepflanzten Hügeln. Diese Gegend beidseits des Röstigrabens lässt sich wunderbar zu Fuss, per Fahrrad oder Schiff erkunden.

Das Drei-Seen-Land ist ein kleines Paradies, das sich zwischen Bieler-, Neuenburger- und Murtensee erstreckt. Für Weinreisende zählt es zu den charmantesten Regionen der Schweiz. Hier geniesst man Aussichten über glitzerndes Wasser, pittoreske Dörfer und sonnige Hänge, an denen Reben gedeihen. Aus den Trauben, die in ihnen wachsen keltern charaktervolle Winzer ebensolche Weine. Auch kulinarisch hat die Region einiges zu bieten: Fisch aus reinen Seen, Wild aus unberührten Wäldern, Gemüse aus dem fruchtbaren Seeland und Käse aus reichhaltiger Jura-Milch.

Bereits die Römer erkannten das Potenzial der Hügel zwischen Jurakette und Seen, sie waren die ersten, die hier Weingärten anlegten. Später prägten Klöster, Berner Patrizierfamilien und französische Adelsfamilien den Weinbau – Spuren dieser wechselvollen Geschichte sind bis heute sichtbar. Im Drei-Seen-Land kann man mittelalterliche Dörfer und Städte besuchen, auf der St. Petersinsel im ehemaligen Kloster übernachten und prunkvolle Schlösser besichtigen. In einigen davon, etwa dem Château d’Auvernier, wird sogar Wein gemacht – und das seit Generationen.

Das Drei-Seen-Land umfasst die vier AOCs Bielersee, Neuenburg, Vully und Cheyres. Das Verhältnis zwischen roten und weissen Trauben ist in der Region etwa ausgeglichen. In Neuenburg dominiert der Pinot Noir, der sowohl rot vinifiziert als auch zum frischen Rosé Œil de Perdrix verarbeitet wird. Eine weitere Spezialität ist der Neuchâtel Non-Filtré, ein trüber Chasselas, der jeweils am dritten Mittwoch im Januar abgefüllt und gleich auf den Markt gebracht wird. Am Bielersee werden zu sechzig Prozent weisse Sorten angebaut, allen voran Chasselas. Am Murtensee befindet sich mit Vully das einzige Schweizer AOC, das sich auf zwei Kantone aufteilt: Freiburg und Waadtland. Auch hier gelten Chasselas und Pinot Noir als Hauptsorten, genauso wie in der kleinen Appellation Cheyres am Freiburger Ufer des Neuenburgersees.

Um das Auvernier wachsen Trauben für hervorragende Weine. Besonders die Pinots Noirs vom Neuenburgersee sind sehr gesucht.
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Um das Auvernier wachsen Trauben für hervorragende Weine. Besonders die Pinots Noirs vom Neuenburgersee sind sehr gesucht.

Zu Fuss oder per Schiff

Das Schöne am Drei-Seen-Land: Man kann es genussvoll erwandern oder erradeln. Entlang aller drei Seen führen Weinstrassen und ausgeschilderte Wanderrouten, die von Kellerei zu Kellerei leiten. Viele davon öffnen auf Voranmeldung ihre Türen. Bei einer Rundfahrt entlang der Ufer von Bieler-, Neuenburger- und Murtensee überquert man den «Röstigraben» mehrfach und erkundet vier Kantone: Bern, Freiburg, Neuenburg und Waadt.

Vielleicht macht diese Vielfalt auf engem Raum die lokalen Winzer offener als anderswo, denn die Ansässigen gelten als experimentierfreudig. Sie pflanzen zum Beispiel immer öfter internationale Sorten und pilzresistente Neuzüchtungen. Letzteres hat auch damit zu tun, dass das Drei-Seen-Land schweizweit führend ist, was die biologische Landwirtschaft angeht. Rund 20 Prozent der Rebfläche wird hier umweltschonend bewirtschaftet. Das merkt auch der Weinreisende, denn die Natur ist in der Landschaft um die drei Seen immer präsent und die Rebberge strotzen vor Biodiversität.

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Freie Fahrt

Es gibt das ganze Jahr hindurch gute Gründe, das Drei-Seen-Land zu besuchen. Im Frühling und Frühsommer finden etwa die «Offenen Weinkeller» statt. An einem oder zwei Wochenenden im Jahr kann man ungezwungen und ohne Voranmeldung die feinen Tropfen der lokalen Winzer verkosten. Da die Produzenten in den verschiedenen AOCs ihre Türen an unterschiedlichen Wochenenden öffnen, informiert man sich am besten vorher bei der zuständigen Tourismusbehörde. An warmen Sommertagen kann man am gleichen Tag wandern, Weine verkosten und sich in den Seen erfrischen – äusserst reizvoll.

Im Herbst ist Erntezeit, die in Twann Ende Oktober mit der «Trüelete» endet. An diesem Winzerfest wird im historischen Dorfkern gefeiert, getrunken und geschlemmt. Wer es ruhiger mag, geniesst beim Spazieren die herrlichen Farben der herbstlichen Rebberge und Wälder, in goldenes Sonnenlicht getaucht.

Im Winter wird am Bielersee die Treberwurst-Tradition gepflegt: Ab Januar wird der Weintreber zu Marc destilliert, in den Dämpfen der Brennkessel garen Würste, die man in geselliger Gemeinschaft verzehrt. Bei diesen beliebten Veranstaltungen trifft sich die ganze Bielersee-Region, seit einigen Jahren kommen auch viele Auswärtige.

Das Drei-Seen-Land kann man fast ganzjährig auch gut vom Wasser aus erkunden. Die Seen sind per Kanal miteinander verbunden und können durchgängig befahren werden. Dazu muss man nicht einmal selbst Bootskapitän sein, denn auch Kursschiffe fahren die Stationen zwischen Biel, Murten und Neuchâtel mehrmals täglich an – ausser im Januar und Februar. Besonders bei schönem Wetter ist die Fahrt zu empfehlen, man geniesst den Fahrtwind und bestellt sich im Bordbistro ein Glas Wein – so schön kann das Leben sein.


Erschienen in
Weinreise Schweiz inkl. Weinguide 2025

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Larissa Graf
Larissa Graf
Autorin
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