Mehr als Ramen
Seit rund einem Jahr gibt es in der Nähe des Zürcher Bullingerplatzes ein kleines Paradies für Nudel-Liebhaber:innen. Bei «Noodlee» wird eine kleine, aber feine Auswahl an chinesischen und japanischen Nudelgerichten geboten sowie handgemachte Teigtaschen.
Das «Noodlee» ist gut besucht am Mittag eines gewöhnlichen Wochentags. Der Imbiss ist recht klein und wird darum auch schnell voll – trotzdem ist das keine Selbstverständlichkeit, denn dieses Ende der Zypressenstrasse, zwischen Bullingerplatz und Hohlstrasse, zieht wenig Fussvolk an. Es muss sich herumgesprochen haben, dass es hier etwas Besonderes gibt. Ein Blick auf die übersichtliche Karte bestätigt dies.
Chinesische Teigtaschen gibt es in Zürich zwar relativ oft, nicht überall sehen sie jedoch so verlockend aus. Auch Ramen-Suppen findet man mittlerweile in jedem Quartier – aber nicht immer mit hausgemachten Nudeln und lange gekochten Brühen. Und nur ganz selten gibt es Nudelspezialitäten aus China, wie sie hier angeboten werden: Spicy Beef Noodles in Suppe, Dan Dan Noodles aus Sichuan mit Erdnusssauce und gehacktem Schweinefleisch oder Chongqing Noodles aus der gleichnamigen Stadt mit würzigem Schweinehack.
In Sichuan gelernt
«Ich war 16 Jahre in Schweden, zehn in China, eines in Japan», erzählt Koch Li Xianzhong. In China lernte er das Kochen bei einem Meister aus der Provinz Sichuan, wo auch «Noodlee» Mitinhaber Gian Pang aufgewachsen ist – ein verbindendes Element. Dorther stammen die Rezepte für die chinesischen Nudelgerichte und die von Hand gefalteten Dumplings. In Japan hingegen lernte er die Kunst der Ramenherstellung, etwa wie die verschiedenen Brühen gekocht und abgeschmeckt werden. Die Nudeln sind allerdings bei allen Rezepten gleich: «Sonst würde es zu viel. Wir sind ja nur zu zweit», so Pang. Das Restaurant ist ebenfalls nach Xianzhong benannt. Pang betont: «Eigentlich hätte es «Noodli» heissen sollen, nach Li, aber auch weil die Schweizer immer überall ein «li» dranhängen. Schlussendlich gefiel uns aber die Schreibweise «Noodlee» besser. Die Idee kam von meinem Sohn.»
Die Geschäftspartner lernten sich kennen, als sie zusammen in einem Zürcher Restaurant arbeiteten und beschlossen, ein gemeinsames Projekt zu starten. Im Moment machen sie alles alleine, Xianzhong steht in der Küche, Pang kümmert sich um den Service, die Reservationen, die Website und was sonst alles anfällt. Unterstützung erhält er von seiner Tochter Jenny, die Medien und Kommunikation studiert hat und die Social-Media-Kanäle verantwortet.
Brühe mit Biss
Dass die Ramensuppen gut ankommen, ist keine grosse Überraschung – diese sind in der Schweiz schon länger beliebt. Der Topseller ist laut Pang aber die Spicy Beef Noodle Soup, die Xianzhong nach Originalrezept aus Sichuan zubereitet. Es wird alles frisch gekocht aus besten Zutaten, alle Gerichte enthalten eine gute Portion Gemüse. «Es ist wichtig, dass es gesund ist. Das wollen die Gäste auch», sagt der Küchenchef.
Das gemeinsame Lokal eröffneten sie im März 2025. Pang führte zuvor ein Restaurant bei der Schmiede Wiedikon. Es bleiben ihm noch ein paar Jahre bis zur Pensionierung, die er mit dem «Noodlee» bestens überbrücken kann. Der jüngere Xianzhong hat grosse Pläne. Bereits dieses Jahr möchte er ein weiteres, grössereres Lokal in Zürich eröffnen. Dort soll es handgezogene Nudeln geben – bis jetzt ist diese faszinierende und köstliche chinesische Kochtechnik in der Schweiz kaum bekannt. Es wären freudige Nachrichten, wenn es klappen würde, denn diese Spezialität fehlt in Zürich noch.
Noodlee
Zypressenstrasse 146, 8004 Zürich
noodlee.ch