Bachls Kritik: »Bistrot Bertarelli 1894«
Im einst glamourösen »Das Triest« sperrte die Filiale eines Mailänder Lokals auf.
Hier ist die Historie unerlässlich. 1995 galt es als Sensation, dass der (2020 verstorbene) britische Designguru und Gastronom Sir Terence Conran die Gestaltung eines Wiener Hotels übernahm. Der Begriff »Designhotel« war noch nicht überstrapaziert, »Das Triest« hierorts das erste seiner Art. Stets war das Haus ein Ort exzellenter Kulinarik, das Restaurant »Collio« einer der besten Italiener der Stadt. Später kam das Bistro »Porto« dazu. 2022 wurde »Das Triest« überraschend zugesperrt. Nun ist es unter der Marke »Radisson Blu« wieder offen. Wo das »Porto« war, ist nun das »Bistrot Bertarelli 1894« – benannt nach Luigi Vittorio Bertarelli, einst Mitbegründer des italienischen Fahrradtourismus-Clubs. Woran wohl die Hochräder auf der Speisekarte erinnern sollen. Ein gleichnamiges Lokal gibt’s auch im Mailänder Ableger der Hotelkette.
Dort auf der Karte: »Cotoletta alla milanese«, in Wien leider durch Wiener Schnitzel ersetzt. Hier wie da: Risotto alla milanese, in Mailand zu 22 Euro auf der Karte, in Wien kostet’s »nur« 16 Euro, vielleicht weil man da offenbar noch üben muss – das Ganze gerät solide, aber eher breiig. Ceviche mit Thunfisch, Lachs und Jakobsmuschel hat in seiner Mango-Limette-Granatapfel-Fruchtigkeit schon fast Dessertcharakter. Und das »Filetto di manzo alla Rossini« kommt ungefragt »well done«. Auf der Miniweinkarte verzichtet man zwar auf Jahrgangszahlen, nicht aber auf Multiplikationen – fünfmal Ab-Hof-Preis und mehr. Am Weg zur Toilette leuchtet noch immer das Schild zum »Collio« – laut Personal aber nur mehr für Veranstaltungen zu buchen. Und man blickt auf den Rest davon, was einst die glamouröse »Silver Bar« war. Sir Conran wäre wohl »not amused«.