Bachls Restaurant der Woche: »Mon Cher«
Das Boutiquehotel »O11« bekam mit Verspätung doch noch ein Restaurant.
Der Name stand, das Team war bereit. Doch das 2022 zugleich mit der Eröffnung des Boutiquehotels »O11« bei der Wiener Oper avisierte Restaurant »Hayakan« sperrte nie auf. Ende 2024 hieß es dann plötzlich »Mon Cher«. Auf der Homepage stellt sich »Mon Cher« auf Englisch als Gentleman adeliger Herkunft vor, der nach Reisen am Mittelmeer den dortigen Genusswelten verfiel. Erfunden hat die etwas schwülstige Präsentation Kaan Aras, »Concept-Writer, CO-Owner« und sonst im Catering-Geschäft. In der Küche werken Mario Dervi, zuletzt in einem Brunchlokal in Lissabon, und Patrick Müller, einst als »Silent Cook« bekannt und inzwischen flatterhaft an vielen Orten zugange. Gleich mal ins Auge stechen die in rote Jacketts gewandeten Kellner.
Zum Start wird ein Amuse-Gueule eingestellt, das größenmäßig als Gang durchgeht. Miesmuscheln in fein abgeschmecktem Muschelfond und ein saftig gebratenes Wachtelhaxerl drauf. Eine schrille Zusammenkunft – »Mar i Muntanya« sagt man in Katalonien zu so einer Kombi. Und sie funktioniert. Weniger balanciert dann »Surf & Turf«, kennt man als Steak mit Crevetten, hier ist es eine kalte Vorspeise mit aromatisch überlegenen Sardinen auf Rindercarpaccio.
Es folgt sanft gegarter Stör in Dirndlsauce, dazu Sellerie, gebratener Radicchio tardivo – etwas viel auf einem Teller. Wer Puristischeres präferiert, ist mit »Joue de Boeuf«, Rindswangen geschmort mit Safranrisotto, gut bedient. Wer vom schicken Ambiente und der gepflegten Tischkultur auf galaktische Preise schließt, der irrt. Das Preisniveau passt und sehr ordentliche Weine sind ab 39 Euro zu finden. Am Wochenende gibt’s auch noch Livemusik. Eine neue Adresse mit Spaßfaktor.
1010 Wien
Österreich
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