Bachls Restaurant der Woche: »Wöber«
Christian Wöber sperrte in der Tullner Altstadt ein gleichnamiges Restaurant mit toller Weinkarte auf.
In Tulln ein eigenes Lokal zu eröffnen, stand für Christian Wöber eigentlich nicht auf der Playlist seiner Lebensplanung – obwohl er seit geraumer Zeit dort seinen Wohnsitz hat. Er pendelte 14 Jahre lang ins nahe Langenlebarn, wo er als Küchenchef im »Das Wolf« werkte. Anfang 2024 passierte dann das, was man gemeinhin einen Schicksalsschlag nennt. »Das Wolf« (seit Kurzem mit neuem Team wieder offen) musste nach einer sehr abrupten Insolvenz zusperren, aus deren Masse Wöber glücklicherweise vieles an Ausstattung plus den mehrere Tausend Flaschen großen Weinbestand als Startbasis für sein neues gastronomisches Leben retten konnte. Ein Jahr nach dem Ende in Langenlebarn gelang der Neustart in Tulln, womit die Messe- und Gartenstadt nun zusätzlich zum legendären Gasthaus »Sodoma« auch noch ein feines Restaurant bekam. Das »Wöber« residiert in einem Altstadthaus des Elektroinstallateurs Fritz Schmidberger, der seinem neuen Pächter ein fesches Lokal hinstellte. Für die auffällig hinterleuchtete Budel sorgte dank verwandtschaftlichem Konnex das renommierte Stein-Unternehmen Breitwieser. So weit zur Hardware.
Wöber schafft es, im Alleingang – nur ein Küchenhelfer ist in der offenen Küche sonst zu sehen – ein Menü mit Wahlmöglichkeiten bei Hauptgang und Dessert in fünf oder sieben Gängen zu haben. Wer Pinzettenarbeiten oder farbige Saucenpunkte als Gourmetküche missversteht, wird hier enttäuscht sein. Wer klaren Geschmack, geradlinige Gerichte und unprätentiös gutes Essen präferiert, ist hier richtig. Vorweg kommt gute Laune auf bei Happen wie einem witzigen und winzigen Toast Hawaii und Artischocke mit Salzzitrone. Dann gibt’s etwa gebackene Miesmuscheln auf fermentierter Zucchinicreme mit Verbene, die Tierchen innen saftig, außen knusprig – ein vermeintlich einfacher, aber richtig guter Gang, so was kocht gerade sonst niemand. Eine subtil gar gezogene Tranche vom »Alpenstör« liegt in Dashi mit geräuchertem Kohl. Es folgt Iberico secreto mit Speck, Linsen, Oliven und Ofenparadeisern – allerbestes Soulfood. Zum erwähnten Weinkeller: Da liegt nunmehr in Tulln nicht irgendwas, man findet österreichische Klassiker jahrgangstief, Bordeaux (Cos d’Estournel, Lafite, Margaux) aus den frühen 2000ern zu Preisen, die man sehr selten sieht. Dazu fünf Jahrgänge gereifter Penfolds »Grange«, allerlei Opus One oder Dominus. Und daneben viele Schnäppchen in niedrigeren Preisregionen. In die aktuelle Falstaff-Liste der besten Neueinsteiger hat es das »Wöber« schon geschafft.
3430 Tulln an der Donau
Österreich