Bachls Restaurant der Woche: »Das Wolf«
»Das Wolf« wird nach einer wirtschaftlichen Zwangspause von einem neuen Duo ganz hervorragend bespielt.
Eine bessere Anbindung kann man sich als Wirt und Gast nicht wünschen. Eine Minute vom Bahnsteig zum Tisch – so zu finden in Langenlebarn, wo man seit den 1970ern im »Roten Wolf« einkehrte. 2016 erwarb der Tullner Pflanzenhändler Wolfgang Praskac das Haus, titelte auf »Das Wolf« um und übergab an Pächter. Bis Februar 2024 stand Christian Wöber am Herd (jetzt mit eigenem Lokal in Tulln, mehr demnächst), eine Insolvenz zwang zur abrupten Schließung. Nun ist wieder offen, das neue Duo ließ sich – risikoärmer – anstellen. Die Ausrichtung auf Fine Dining blieb. Als Gastgeber mit Charme fungiert Routinier Philipp G. Prodinger, einst Patron im Wiener »Theatercafé« und im »Kulinarium 7«. In der Küche steht der 32-jährige Sebastian Butzi, ein Mann mit ungewöhnlicher Vita. Bis 24 studierte er Medizin, dann technische Chemie.
Um dann doch »seinem Herzen zu folgen« und Koch zu werden. Dann vier Jahre »Obauer«, zwei »Steirereck«. Und jetzt erstmals Küchenchef – mit bemerkenswertem Start. Den ersten kompositorisch unscharfen Gang aus Saibling, Fenchelcreme und Kohlrabi macht der folgende schnell vergessen. »Variation vom Karfiol«: als Basis Melanzani-Tahin-Karfiol-Creme, darauf Karfiol in Tempurateig und eingelegter Karfiol und Sesam. Mehr kann man aus diesem als fad verschrienen Gemüse kaum herausholen. Und gleich noch ein Höhepunkt: pochiertes Steirerhuhn, angebratene Gnocchi und Kräuterseitlinge, Schwammerlcreme und krachige Hühnerhaut darüber – so geht Huhn. Das Weinangebot konzentriert sich auf die ganz großen Namen aus Niederösterreich, Burgenland und Steiermark. Zwei Dutzend Burgunder und sieben Jahrgänge Haut-Brion sind auch zugegen. Ein toller Neustart.