Feurige Wontons und Nudelsuppen: »Sichuan Ravioli« neu in Wien
Wer authentische Sichuan-Küche probieren möchte, muss nicht nach China fliegen: Handgemachte Nudeln und Sichuan Ravioli warten jetzt direkt beim Naschmarkt.
An der Rechte Wienzeile, dort, wo der Naschmarkt täglich mit seiner Mischung aus Duftwolken und Menschenströmen um Aufmerksamkeit ringt, ist still und heimlich ein neues Lokal eingezogen, das allerdings alles andere als still kocht: Das »Sichuan Ravioli«. Ein neuer Ableger der »Chili & Pfeffer«-Familie bringt Chengdu-Flair direkt in den 4. Bezirk.
Die Karte ist eine kleine Reise durch Sichuan. Los geht’s mit einer Reihe kalter Vorspeisen: Da liegen etwa eingelegte Eier, würzig und überraschend von der Textur, Entenstreifen nach Ganbian-Art, leicht knusprig und voller Umami, ein Rinderduo aus geschmorter Wange und Kutteln, dazu ein Gurkensalat mit hausgemachtem Chiliöl, geräucherter Tofu mit Koriander und ein paar andere kleine Teller, die man am besten teilt.
Wer nach den ersten Geschmackskicks noch klar denken kann (und vielleicht schon den prickelnden Sichuanpfeffer auf der Zunge spürt), landet bei den Nudeln. Einige davon handgezogen, andere klassisch – aber alle handgemacht und mit genau diesem Sichuan-Charakter, der sich irgendwo zwischen warm, scharf, würzig und »Ich nehm noch einen Bissen« bewegt. Es gibt Nudelsuppen, Dan-Dan-Nudeln, Chongqing-Nudeln und Süßkartoffelnudeln, die überraschend anders schmecken und eine leicht »gummiähnliche« Textur aufweisen.
Überhaupt ist die Schärfe hier ein Thema für sich. Der Besitzer versichert freundlich, man habe alles »eh schon an europäische Zungen angepasst«, doch die Teller sprechen eine etwas andere Sprache. Nicht brutal scharf, aber würzig, warm. Und wer noch einen Schritt weitergehen möchte, greift zum hausgemachten Chiliöl, das aus drei verschiedenen Chilisorten hergestellt wird und wie eine Einladung zur kleinen Mutprobe bereitsteht.
Und dann natürlich das Herzstück: die Sichuan Ravioli – auch Dragon Wontons genannt – zarte, dünn gewalzte Teigtaschen, die in Wien bisher ein seltenes Vergnügen waren. Die Klassiker kommen mit Schwein oder Schwein-Garnele, entweder in klarer Brühe oder mit Chiliöl. Dann gibt es eine Variante mit Fisch, eine mit Huhn, und für alle, die gern ein bisschen Glanz am Teller haben, die Imperial Ravioli mit Garnele und Kaviar.
Zwischendurch gibt es Reisgerichte, Schmorstücke und andere Wohlfühlklassiker, die zeigen, dass Sichuan-Küche viel mehr ist als Chili und Hitze. Und am Ende warten Desserts wie Klebreisbällchen mit schwarzem Sesam, Reiskuchen mit braunem Zucker oder Matcha-Eis.