Große Bühne für edle Weine und Küche mit Seele: Bachls Kritik des »Müllers«
Exzellente Küche mit französischem Einschlag auch im »Wirtshaus« der Familie Müller im Tiroler Grän.
Wer deutschen Weinfreaks – man könnte auch »Influencer« sagen – auf Facebook folgt, kann bisweilen verfolgen, wie der Bestand manch rarer Champagner von Ulysse Colin, Bollinger R.D. und anderer Fundstücke aus dem Keller der Familie Müller sinkt. Besagte Weinsammlung – eine der irrwitzigsten der Nation – befindet sich im Tannheimer Tal im entlegenen Außerfern. Eine Tiroler Region, die wegen der leichteren Erreichbarkeit aus dem Allgäu deutschen Gästen teils bekannter ist als einheimischen. Vom Toprestaurant »Alps & Ocean« im Müllerschen Hotel »Sonnenhof« war an dieser Stelle neulich zu lesen. Doch abseits des von Stammgästen gerühmten Halbpensions-Menüs gibt’s als dritte Schiene auch noch ein Wirtshaus namens »Das Müllers«.
Hier werden Radler, Wanderer und Skifahrer ebenso verköstigt wie Connaisseurs – und alle haben auch hier Zugriff auf die 2.900 Positionen des 27.000 Flaschen fassenden Weinkellers. Schon wegen des hiesigen – sonst zum oftmals schlampig zubereiteten Allerweltsgericht verkommenen – Beef Tatars kommt man leicht ins Schwärmen. Exzellentes, gut abgehangenes, aromatisches handgeschnittenes Filet – mit »einer Nocke Gold Selektion Caviar« – Holzofenbrot und Salzbutter. Mild abgeschmeckt. Perfekt. Auch sonst gibt’s hier vieles »wie früher«. Shrimpcocktail »Marie rose«, Pâté en croûte, Kalbshirn mit Ei und Wintertrüffel, Hirschragout »Cerf de Bourgogne«, Perlhuhn »Label rouge« im Ganzen. Dann Tarte Tatin. Und unter dem Satz »Wir Müllers lieben Champagner« finden sich dann glasweise Bollinger, Krug Grande Cuvée und – sonst nie anzutreffen – sogar Krug Rosé auf der Karte. Ausreichend Motivation, sich den bisweilen verstauten Weg über den Fernpass anzutun.
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Österreich