Restaurantbesuch mit Aussicht: Bachls Kritik des »Görg« in Niederösterreich
Alles neu im »Görg« der gleichnamigen Brüder bei Wiener Neustadt.
Solche Stammgäste muss man sich erst einmal aufbauen. Binnen sieben Tagen hatten die Görgs die per Crowdfunding erhofften 150.000 Euro Zusatzbudget für den zehnwöchigen Totalumbau beisammen. Fürs Interieur zeichnet der Steirer Josef Göbel verantwortlich, in dessen »Bespoke Furnishing«-Portfolio sich Projekte wie das Wiener Hotel »Die Josefine«, »Salon Sacher« oder der hippe Sneaker-Laden »Snipes« in Miami finden. Sternparkett, tolles Licht und warme Grüntöne bilden den neuen Rahmen für die Brüder Martin und Stefan Görg, die in dritter Generation weiterentwickeln, was 1968 als Heurigenpension begann. Einzigartig ist die Doppelführung der Küche. Martin mit »Steirereck«-Erfahrung und Stefan, der bei »Obauer«, »Landhaus Bacher« und »Triad« war, wechseln alle vier bis sechs Wochen zwischen Service und Küche, die Seniorchefs Karl und Gerti Görg bilden das Support-Team.
Hier nimmt man entweder à la carte eine zart strukturierte Sulz vom Rehbock auf Blattsalat. Beim feinen Kalb »rosé« gibt’s bessere Ideen als den bröckeligen Sockel aus Goldhirse unter Spitzkraut und Kümmel. Das Menü startet mit viel Pep bei Chinakohl in Paprikagelee mit Ziegenkäse. Dann folgt mit Stosuppe, Kraut und Kümmel eine Aromabombe, ein Sud strotzend vor Kraft – besser kann man dieses einstige »arme Leute-Frühstück« nicht kochen. Saibling kommt mit roter Rübe und – somit auf der süßsauren Seite – Birnenmus und Buttermilch. Ganz klassisch dann Rehbock mit bunten Karotten und Kartoffelgratin.
Süßes Ende
Nicht im Menü, trotzdem Pflicht: Parfait »Kaiserschmarren« mit Marillenröster. Unübersehbar der mit gut gewählter Mittelklasse-Selektion bestückte Weinschrank. Toll sichtbar: Sonnenuntergänge gen Hohe Wand.
2801 Katzelsdorf
Österreich