Zwischen Beisl-Tradition und Gemüseküche: Bachls Kritik des Wiener »pomali«
Zwei junge Pächterinnen tauften ihr Eckbeisl sehr wienerisch »pomali«. Zwischen Senfei, Naturwein und Gulasch zeigt sich, wie zeitgemäß ein Wiener Beisl heute sein kann.
Manche Grätzel – für Nicht-Wiener: So nennt man kleine Zonen innerhalb der Bezirke – gelten als kulinarische Notstandsgebiete. Jenes rund um den Meiselmarkt in Wien Fünfzehn darf sich glücklich schätzen. Innerhalb weniger Monate sperrte das »Nido Bistro« von Philipp Barosch auf, wurde das Gasthaus »Heidingers« gerettet. Und der Leerstand nach dem Ende des Gasthauses »Jagetsberger« war nur ein sehr kurzer. Noch einmal zutiefst Wienerisch: »pomali« heißt das Ecklokal nun – die Homepage liefert die Übersetzung: »gemütlich, bedächtig, langsam, nach und nach.« Zwei junge Damen haben das zuletzt mit einer Grindschicht überzogene Beisl aufgemöbelt. Mathilde Mazaud war einst Sous-Chefin in der Pariser Brasserie »Les Fous de l’Île«, auf Karoline Schuster traf sie im Leopoldstädter Szenelokal »brösl«.
Das Rezept hier: niederschwellige Gastronomie, gute Produkte, einfach gestrickte und dennoch nicht alltägliche Speisen. Wie gut etwa ein wachsweiches »Senfei auf Blattspinat« schmecken kann oder geschmorte »Karotte in Mohnbutter«, erfährt man in der kleinen Vorspeisenliste, in der auch nie ein Erdäpfelgericht fehlt. Etwa solche mit würziger Sauce und Aioli oder aktuell Heurige mit Liebstöckel-Mayo. Wem bislang Fleisch und Fisch abgehen – die Vorliebe zu Vegetarischem ist offensichtlich, je etwas, das beide Begierden befriedigt, ist stets dabei – etwa ein formidables Rindsgulasch mit Spätzle oder Lachsforelle in Beurre blanc mit Sauerampfer. Dazu ein paar gut gewählte Naturweine. Wie sehr so ein Konzept einschlagen kann, erfährt man bei kurzfristigen Reservierungsversuchen, wenn dort regelmäßig das Wort »Warteliste« erscheint.