Nenad Mlinarevic und Valentin Diem geben das «Süd» auf
Das Restaurant «Süd» im Zürcher Hauptbahnhof wird ab September von Candrian Gastronomie weitergeführt. Mitbetreiber Valentin Diem erklärt Falstaff, weshalb sich das Konzept am stark frequentierten Standort nicht durchsetzen konnte.
Nach weniger als drei Jahren endet für Nenad Mlinarevic und Valentin Diem das Kapitel «Süd» im Zürcher Hauptbahnhof. Noch bis Ende August führen die beiden Gastronomen den Betrieb im historischen Südtrakt selbst, anschliessend übernimmt Candrian Gastronomie das Restaurant. Der Betrieb soll nahtlos weitergeführt werden, auch die Arbeitsplätze bleiben erhalten.
Bereits im Herbst 2025 hatten Mlinarevic und Diem versucht, das «SÜD» mit einer konzeptionellen Neuausrichtung auf Erfolgskurs zu bringen. Unter Küchenchef Andrea Vailati rückten mediterrane Gerichte und hausgemachte Pasta stärker in den Mittelpunkt. Die erhoffte wirtschaftliche Wende blieb jedoch aus.
«Wir sind nicht auf Hochfrequenzlagen spezialisiert»
Gegenüber Falstaff erklärt Valentin Diem nun, dass die besonderen Anforderungen des Standorts eine entscheidende Rolle gespielt hätten. Das Unternehmen wolle sich künftig wieder vermehrt auf seine eigentlichen Stärken konzentrieren.
«Wir machen Destinationgastronomie und sind nicht auf Hochfrequenzlagen spezialisiert», sagt Diem. Die Restaurants der Gruppe seien darauf ausgerichtet, dass Gäste gezielt wegen des kulinarischen Angebots anreisen. Ein Betrieb im Hauptbahnhof folge dagegen anderen Regeln: Viele potenzielle Gäste befänden sich nur auf der Durchreise, die Frequenzen seien stark von Tageszeit, Wochentag und Reiseaufkommen abhängig.
Von einem Scheitern des ursprünglichen Konzepts allein möchte Diem deshalb nicht sprechen. Vielmehr habe sich gezeigt, dass die Kompetenzen der Betreiber und die Anforderungen des Standorts nicht ausreichend zusammenpassten. Ausschlaggebend für die Übergabe waren letztlich wirtschaftliche Gründe. «Wir haben es nicht geschafft, an diesem Standort rentabel zu wirtschaften», sagt Diem offen.
«Um die Wirtschaftlichkeit zu steigern, hätten wir deutliche Qualitätsabstriche machen müssen. Das entspricht nicht unseren Ansprüchen», so Diem. Statt das Konzept auf Kosten der Qualität weiterzuführen, hätten sich Mlinarevic und Diem deshalb für die Übergabe an das grössere Gastronomieunternehmen Candrian entschieden.
«The Counter» bleibt
Während sich die Betreiber aus dem «Süd» zurückziehen, führen sie das ebenfalls im Südtrakt gelegene Fine-Dining-Restaurant «The Counter» weiter. Dort kocht Mitja Birlo für eine kleine Zahl von Gästen ein mehrgängiges Menü. Das Restaurant wurde 2024 mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet.
Dass «The Counter» am selben Standort funktioniert, ist für Diem kein Widerspruch. Das Restaurant entspreche vollständig den Kernkompetenzen der Gruppe. Der zentrale Standort im Hauptbahnhof sei für den Erfolg des Fine-Dining-Konzepts nicht ausschlaggebend.
8001 Zürich
Schweiz