Fast ums »Eck«: Das kann das Erlebnisrestaurant von Patrik Tkáč
Nur unweit von Wien, in der slowakischen Hauptstadt Bratislava, hat sich der kulinarikverliebte Investor Patrik Tkáč seinen Traum vom eigenen Erlebnisrestaurant – dem »Eck« – und einem Weingut erfüllt. Für sein Projekt hat Tkáč den jungen Chefkoch Daniel Tilinger engagiert.
Die letzten Meter zum Restaurant führen vorbei an jungen Weinstöcken und überdimensionalen Kunstwerken im Garten – eine meterhohe Rakete schlägt in Kuchenstücke ein –, und bereits jetzt kann man eines der Markenzeichen des Lokals wohltuend erschnuppern: Hier wird in der offenen Küche direkt vor den Gästen über offenem Feuer gegrillt. Ein Abend im »Eck«, der solle »ein Erlebnis sein«, das hat sich das Team auf die Fahnen geheftet.
Das »Eck« liegt auf einem Hügel oberhalb des trendigen Ortsteils Devín in Bratislava, und bis es Ende des Vorjahres eröffnete, war es das vielleicht sehnsüchtigst erwartete neue kulinarische Projekt in der Slowakei – nicht zuletzt, weil es einen ganzen Stadtteil verändern sollte. Hinter dem »Eck« steckt nicht irgendjemand, sondern Patrik Tkáč. Er ist ein höchst erfolgreicher Unternehmer, Financier, Mitbegründer der »J&T Finance Group« – und ein ausgewiesener Weinfreund und Weinkenner. Als echter Genießer hat sich der 50-Jährige nach mehr als dreijähriger detaillierter Planung nicht nur den Traum vom Erlebnisrestaurant erfüllt, sondern gleich daneben das Weingut Zláty Roh eingerichtet, dessen Reben auch das Restaurant umgeben.
Hier erzeugt sein Weingutsleiter Filip Nagy klassische Weiß- und Rotweine, die an die große Tradition der Pressburger Weine, die einst in der Monarchie geschätzt und gesucht wurden, anknüpfen. Die Weine aus den Rieden Goldeck – spätestens jetzt lässt sich erahnen, woher das Lokal seinen Namen hat – und Purweg sind eher klassisch angelegt, der Pinot Noir und die Bordeaux-Cuvée aus Merlot und Cabernet sind elegante Speisenbegleiter. Die Weine aus dem kleinen zweiten Projekt von Nagy tragen den Namen 7Radku, hier kommen die Freunde des »Funky Style« voll auf ihre Rechnung.
Im »Eck« herrscht gediegen-gemütliche Atmosphäre, und das liegt nicht nur am offenen Grill. An den sechs Tischen finden rund 30 Gäste Platz (in einem Separee gibt es weitere zehn Plätze für jene, die mehr Ruhe suchen), slowakische Handwerker und Künstler steuerten Holzmöbel, Porzellan und auch Kunstwerke bei. Ein gutes Restaurant, so ist man hier überzeugt, besteht nicht nur aus gutem Essen, sondern »jedes einzelne Stück hier vervollständigt seine Seele«. Angeboten wird ein siebengängiges Degustationsmenü, das ganz die Handschrift des Küchenchefs trägt, der mit professioneller Lautlosigkeit und Leichtgängigkeit sein Team dirigiert. (So geht das Konzept der offenen Küche auf!)
Für sein Projekt hat Tkáč den jungen Chefkoch Daniel Tilinger engagiert, der in Sternerestaurants unter anderem in Belgien und Großbritannien (bei Gordon Ramsey) sowie drei Jahre lang im »Ikarus« in Salzburg kochte. Hier, im »Eck«, setzt er nun auf radikale Regionalität, viele der Zutaten kommen aus dem eigenen Garten. Bei den Gerichten sucht er »nach einer Kombination aus klassisch und modern«. Wirklich slowakisch mutet das Menü dabei nicht an. »Devín liegt in der Nähe von Österreich, Ungarn und der Tschechischen Republik. Heute ist es sehr schwierig zu bestimmen, welche Zutat zu welcher Küche gehört«, beschreibt Tilinger in einem Interview. Im Degustationsmenü liefert Tilinger dann unter anderem kalt geräucherte Forelle an gegrilltem Zuckermais sowie ein knuspriges Kartoffel-Millefeuille mit Kaviar und Schafbuttermilch-Petersilienschaum. Auch der Karfiol wird geräuchert (ja, der offene Grill kommt hier wirklich zum Einsatz) auf Letscho-Espuma serviert, dem eine Klobasse ihren Geschmack mitgeben durfte. Optisch stark. Auch der darauf folgende Tafelspitz kommt vom Grill.
Bei der Nachspeise wird es dann experimenteller: Sie kommt in Form einer auf den Teller gemalten Kirsche, die der Gast doch bitte von selbigem schlecken möge. So wünsche sich das der Koch, richten die Kollegen aus. Besteck gibt es einfach gleich gar keines, man hat also wenig Alternativen. Der Gang trägt den Namen »Lothar«, eine Würdigung des bildenden Künstlers Lothar Vigelandzoon, der für seine Kirsch-Skulpturen bekannt ist. Eine davon steht auch direkt im Lokal, am Weg in Richtung Weinkeller.
Der eloquente junge Chefsommelier, Peter Lunter, ist Herr über die beeindruckende Weinauswahl und den mehr als 100 Quadratmeter großen Keller. Er hat eine Karte zusammengestellt, die kaum Wünsche offenlässt. Der Gast kann aber zum Menü auch aus vier glasweise servierten Weinbegleitungen sowie einer alkoholfreien Variante – alle Säfte sind hausgemacht, das Kombucha ist erwähnenswert – wählen.
Ein Laden mit 1.500 Weinen
Wie viel Wert Tkáč auf die Weinauswahl legt, zeigt sich auch unweit des Restaurants: In Devín ließ er das moderne Lebensmittelgeschäft »Od Nasich« mit Spezialitäten aus der Region, eigener Bäckerei und Delikatessen entstehen. Für Weinfreunde dürfte aber das geräumige, nur über einen Lift erreichbare Angebot an internationalen Spitzenweinen von noch größerem Interesse sein. Rund 1.500 Weinpositionen werden höchst ansprechend und gut geordnet präsentiert, alle wichtigen Weinbauregionen der Welt sind entsprechend ihrer Bedeutung vertreten. Natural Wines und große Klassiker geben sich ein friedliches Stelldichein. Sehr positiv zu bemerken ist auch die Jahrgangstiefe, es sind hier auch bei den Ikonen von Bordeaux über Bolgheri bis Napa Valley stets Weine aus mehreren guten Jahren verfügbar. Allein dieser Shop ist einen Umweg nach Devín wert, diese Vinothek ist bemerkenswert.
Kräftig investiert
Über seine »J&T Wine Holding SE« hat Tkáč auch schon zwei Weingüter im tschechischen Mähren erworben, in beide kräftig investiert – kolportiert wird ein Volumen zwischen 7 und 8 Millionen Euro – und sie zu Publikumsmagneten ausgebaut. Die Weingüter Kolby in Pouzdrany und Reisten in Pávlov erzeugen eine breitere Palette der klassischen Sorten der Spitzenregion Pálava und wurden vom tschechischen Weinbauverband als »Weingüter des Jahres« im mittelgroßen Betriebsbereich ausgezeichnet. Kolby verfügt über rund 40 Hektar Rebfläche, die wichtigsten Rebsorten sind Welschriesling, Riesling, Weißburgunder und Chardonnay. Das kleinere Gut Reisten liegt auf der anderen Seite des Stausees, von der Terrasse genießt man einen herrlichen Blick auf die Burgruine Dívcí hrady und die Weinberge.
Aber der Milliardär mischt auch in Bordeaux mit. 2017 beteiligte sich Tkáč am Weingut Le Dôme in St. Emilion, das vom in Nigeria geborenen Engländer Jonathan Maltus zu lichten Höhen von 100-Parker-Punkten für den Jahrgang 2010 gehoben wurde. Man errichtete ein neues Weingut, als Architekt konnte Sir Norman Foster gewonnen werden, der davor für den Premier Grand Cru Château Margaux in Bordeaux tätig war. Hier hat der ultrarare Spitzenrotwein nun tatsächlich einen Dom als Dach über dem Kopf und Bordeaux eine neue Pilgerstätte für architekturbegeisterte Weinfreaks bekommen. Man darf gespannt sein, welches Weinprojekt der Slowake als nächstes in der Pipeline hat.
Eck
K zlatému rohu 36, 84110 Devín, Bratislava
T: +421 911 513 387, eckrestaurant.com
Mi. bis Sa. von 18 bis 22 Uhr; Reservierung erforderlich.
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