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Guide Michelin 2025: Wer darf auf einen Stern hoffen?

Guide Michelin
Auszeichnung
Sterne
Deutschland

Am 17. Juni 2025 vergibt der Guide Michelin in Frankfurt am Main die neuen Sterne für Deutschland. Wer sich Hoffnungen machen darf und wer zittern muss, bleibt bis zur Zeremonie streng geheim. Falstaff wirft vorab einen Blick auf die spannendsten Kandidaten.

Am kommenden Dienstag vergibt der Guide Michelin im Gesellschaftshaus Palmengarten in Frankfurt endlich seine begehrten Sterne für Deutschland. Endlich – weil die Branche lange auf ein Lebenszeichen des renommierten Restaurantführers warten musste. Die Zeremonie, traditionell im Frühjahr angesetzt, findet dieses Jahr erstmals im Frühsommer statt. Die Spannung ist entsprechend groß – besonders bei jenen Köchinnen und Köchen, die auf ihre erste oder eine höhere Auszeichnung hoffen. Wie immer werden die Einladungen erst wenige Tage im Voraus verschickt – ein kalkuliertes Spiel mit den Nerven.

Die Lage war schon einmal entspannter.

Nach einer regelrechten Schließungswelle ab dem Spätsommer 2023 markierte die Sternevergabe im März 2024 einen historischen Höchststand: Noch nie trugen so viele Restaurants in Deutschland einen oder mehrere Michelin-Sterne. Zeit zum Durchatmen bleibt der Branche dennoch kaum. »Die Lage war schon einmal entspannter«, bilanzierte auch die Falstaff-Redaktion im Dezember bei Veröffentlichung des aktuellen Restaurant- und Gasthausguides.

Wie gewinnt man seine Gäste zurück?

Die Herausforderungen bleiben: steigende Betriebskosten, anhaltender Fachkräftemangel und die Rückkehr zur höheren Mehrwertsteuer belasten viele Betriebe. Hinzu kommt eine spürbare Konsumzurückhaltung – immer weniger Gäste leisten sich gehobene Gastronomie.

Klaus Erfort: »Ich gehe diesen Weg nicht, weil ich gefallen bin – sondern, weil ich wieder aufstehen will«.
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Klaus Erfort: »Ich gehe diesen Weg nicht, weil ich gefallen bin – sondern, weil ich wieder aufstehen will«.

Einige Betriebe steuern mit radikalen Maßnahmen gegen. Das »Tawa Yama« in Karlsruhe oder das »Gästehaus Klaus Erfort« in Saarbrücken etwa setzten auf eine Insolvenz in Eigenverwaltung, um wirtschaftlich wieder auf Kurs zu kommen. Andere wählten den Weg der konzeptionellen Neuausrichtung – weg vom klassischen Fine Dining, hin zu lockereren Bistroformaten, kürzeren Menüs und flexibleren Angeboten. Ziel: mehr Gäste, weniger Schwellenangst, bessere Auslastung.

Bis zur letzten Minute geheim

Trotz aller Umbrüche bleibt eines konstant: das beeindruckende Niveau der deutschen Spitzengastronomie. Michelin-Direktor Gwendal Poullennec lobt die »Exzellenz und Vielfalt der Gastronomie sowie das Engagement und Talent ihrer Spitzenköch:innen, die die Grenzen der Kochkunst immer weiter verschieben«. Genau das wird am Dienstagabend (17. Juni) gefeiert.

Aktuell zählt Deutschland zehn Drei-Sterne-Restaurants, 46 mit zwei Sternen und 265 mit einem Stern. Wie sich die aktuellen Krisen auf diese Zahlen auswirken, darüber wird bis zur letzten Minute spekuliert. Wer miträtseln möchte, wirft einen Blick auf die monatlichen Neuentdeckungen im Guide Michelin. Eine Erwähnung ist kein Garant für einen Stern – aber wer zusätzlich bei Falstaff punktet oder als »Restaurant der Woche« gefeiert wird, hat beste Chancen, bald in den kulinarischen Olymp aufzusteigen.

Kaum Zweifel

Relativ sichere Wetten könnte man zum Beispiel auf Nelson Müllers »Schote« abschließen. Wer jetzt denkt: »Das Restaurant hat doch schon einen Stern«, liegt vollkommen richtig. Doch mit dem Umzug von Essen nach Bergisch Gladbach muss sich Müller erneut vor dem Restaurantführer beweisen. Ob der Sternekoch es mit der Eröffnung Ende Mai noch rechtzeitig geschafft hat, bleibt abzuwarten – falls ja, profitiert zumindest er von der späteren Zeremonie.

Das »Irori« am neuen Standort in Knittelsheim.
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Das »Irori« am neuen Standort in Knittelsheim.

Auch das »Irori« ist nach einem Umzug – von Neustadt an der Weinstraße nach Knittelsheim – neu im Rennen. Seine Fusion aus japanischer und skandinavischer Küche auf Basis Pfälzer Zutaten dürfte aber relativ sicher wieder mit einem Stern belohnt werden.

Rückkehr der verlorenen Sterne

Neben Umzügen führen auch Küchenchefwechsel zum Sterneverlust. Prominentestes Beispiel: das Restaurant »Überfahrt« am Tegernsee. Schon Anfang 2024 kündigte das »Althoff Seehotel Überfahrt« an, sich nach der Trennung von Christian Jürgens mit einer gastronomischen Neuausrichtung wieder an die Spitze der deutschen Kulinarik positionieren zu wollen. Seit September ist dafür Cornelia Fischer verantwortlich. Die 40-Jährige setzt auf nachhaltige Produkte und kreative Gerichte, die Tradition und Innovation verbinden. Ob das auf dem gleichen Drei-Sterne-Niveau geschieht wie unter ihrem Vorgänger? Dass sie so schnell wie möglich wieder einen Stern holen will, daraus machte sie im Falstaff-Interview keinen Hehl. Und dass einer für die ehrgeizige und willensstarke Chefin kaum das Ende der Fahnenstange ist, muss sie gar nicht erst betonen – das versteht sich von selbst.

Und auch in Berlin hofft man nach einem Wechsel auf die Rückkehr der verlorenen Sterne: Reto Brändli verließ nach fast drei Jahren im Herbst das »Lorenz Adlon Esszimmer«, woraufhin Jonas Zörner übernahm. Seit Januar setzt er die französisch geprägte Tradition des Hauses mit klassischer Handschrift, mutigen Aromen und präzisem Handwerk fort. Vier Falstaff-Gabeln und 97 Punkte versprechen jedenfalls Großes.

Casual Fine Dining

Ein weiterer Anwärter auf einen Stern ist das »5 SEN:SES by Mario Aliberti« in Karlsruhe. Die Falstaff-Eröffnung des Jahres kombiniert italienische Küche mit asiatischen Einflüssen und bringt frischen Wind ins Casual Fine Dining.

Cornelia Fischer
© Wolfgang Stahr
Cornelia Fischer

Einen Katzensprung entfernt hofft der einst jüngste Zwei-Sterne-Koch Yannick Noack mit seinem eigenen Restaurant »Gotthardt’s by Yannick Noack« an seine bisherigen Erfolge in der Spitzengastronomie anzuknüpfen. Seit Dezember gibt er dort eine klassisch basierte und modern-kreativ interpretierte Küche zum Besten, während in seiner alten Wirkungsstätte im Andernacher »PURS« das Team rund um Peter Fridén frischen Wind in die Küche des Boutique-Hotels bringt.

Fridén wurde gerade, im ebenfalls zur Purs Gruppe gehörenden »Yoso« mit einem Stern ausgezeichnet, als bekannt wurde, dass er in Noacks Fußstapfen treten soll. Mit seiner »New Nordic Japanese Cuisine« hofft sein Team, das nun auch sterne-technisch zu tun.

Reicht das für einen Stern?

In der Hauptstadt hingegen stehen die Chancen für die Falstaff-Entdeckung des Jahres sehr gut. Zuvor Souschef im Drei-Sterne-Restaurant »Rutz«, kocht Küchenchef Florian Sperlhofer seit September im »Pars«. Regional, nachhaltig, elegant – aber bodenständig. Eine Kombination mit Potenzial.

Und auch wenn das »Kronenschlösschen« im aktuellen Falstaff Restaurant- & Gasthausguide vor allem für seine exzellente Weinkarte ausgezeichnet wurde, sollte man die kreative, französisch inspirierte Küche von Roland Gorgosilich keineswegs unterschätzen. Für seine Gerichte vergibt die Falstaff-Redaktion 46 von 50 möglichen Punkten – ob das für einen Michelin-Stern reicht?

Rundum-Casual-Konzept

Im Süden Deutschlands verpasste Rico Birndt im vergangenen Jahr mit seiner Neueröffnung knapp den Stichtag für die Michelin-Bewertung. Erst Ende März wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit – für viele überraschend, nachdem er an seiner früheren Wirkungsstätte innerhalb von nur sieben Monaten einen Stern erkochte. An diesen Erfolg will er auch im »June« am Chiemsee anknüpfen. Zumindest der Michelin-Mann sitzt schon mit überschlagenen Beinen in seiner Küche.

Am Chiemsee bringt Rico Birndt lässige Eleganz und kreative Spitzenküche zusammen.
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Am Chiemsee bringt Rico Birndt lässige Eleganz und kreative Spitzenküche zusammen.

Auf ein Rundum-Casual-Konzept setzt hingegen Mario Pattis, der 1994 den ersten Michelin-Stern in die neuen Bundesländer holte. Nach vielen Stationen in den Jahren danach meldet sich der 55-Jährige mit dem Gourmetrestaurant »Feine Kost« in Dresden zurück. Angeschlossen sind ein Feinkostladen und ein Bistro, das einen preiswerten Mittagstisch auf hohem Niveau anbietet. Im Restaurant vereint er jedoch Tradition und Innovation auf höchstem kulinarischem Niveau.

Ein kleiner Vorgeschmack

In Hamburg hat sich währenddessen das »arc« mit seinem pescetarischen Fokus zu einer der spannendsten Adressen der deutschen Gastronomie entwickelt. Vor zwei Jahren als Pop-up-Restaurant gestartet, setzen die Küchenchefs auf präzise Produktküche und reduziertes Design – unaufgeregt, fokussiert und konsequent saisonal. Auch hier sind drei Falstaff Gabeln und 90 Punkte in der Gesamtbewertung ein starkes Signal für einen möglichen Stern.

Auch Eric Jadischke schließt sich dem Kreis der Anwärter an: Sein Menü im »Silberstreif« im Südharz liest sich wie eine Hommage an die Natur. Mit Zutaten aus dem eigenen Garten und beeindruckender Präzision bringt er seine Aromen auf den Teller. Damit könnte er auch auf einen grünen Stern hoffen.

Diese Auswahl bietet nur einen kleinen Vorgeschmack auf die potenziellen Neuauszeichnungen. Wer am Ende tatsächlich mit einem Michelin-Stern geehrt wird, bleibt bis Dienstagabend ein gut gehütetes Geheimnis – die Sterne-Zeremonie wird dann live über die offiziellen Kanäle des Guide Michelin auf YouTube und Facebook übertragen.


 

Anna Wender
Anna Wender
Senior Redakteurin
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